
Heute war ich nochmals bei Christoph's Velogeschäft
flamme rouge. Der Name leitet sich von einem roten, dreieckigen Wimpel ab, der auf jeder Etappe der Tour de France den jeweils letzten Kilometer bis zum Ziel anzeigt. Christoph ist ein Velo-Enthusiast und Bike-Messi. In seinem Geschäft stapeln sich Rennvelos, Bahnräder, alle Arten von Strassen und Cityrädern, Mountainbikes, Singlespeeds und Fixies (Singlespeed = nur ein Gang, mit Freilauf. Fixie = nur ein Gang, Starrlauf). Das wirklich Spannende ist jedoch, dass fast jedes Rad irgendwie speziell ist. So richtig normal ist fast nichts. Alles hat irgendeine Geschichte, die einem Christoph auch gerne erzählt. Als Beispiel dieses schöne Bike. Ein
Cielo.

Das Cielo ist ein Stahl-MTB der neusten Generation. Für 29-Zoll Laufräder und mit verschiebbaren Ausfallenden (um bei Singlespeed die Kette spannen zu können). Hinter der Marke Cielo steht Chris King, eine der Lichtgestalten im amerikanischen MTB-Geschäft. In Insiderkreisen schon seit Jahrzehnten bekannt für seine edlen und langlebigen Steuersätze und perfekt gelagerte Radnaben und Innenlager. Die pinkfarbenen Naben und der Steuersatz am Kish ist auch von Chris King. Auch am Santa Cruz tallboy fahre ich einen Chris King Steuersatz. Das sind Spitzenprodukte.
In Zeiten von papierleichten Carbonrahmen ist der Bau von Stahlrahmen eigentlich anachronistisch, weil zu schwer, zu weich, zu wenig spektakulär. Trotzdem hat Stahl Charme oder wie die Amis sagen "steel is real!", gut gemacht, bietet es einfach tollen Fahrkomfort. Das ist die Basis für edles Understatement. Ein paar kleine Details lassen dann die Klasse von Chris King durchscheinen. So haben z.B. die verbauten Paragon-Ausfallenden speziell gefertigte Schlitten zur Radbefestigung, oder das Steuerrohr ist so gross gewählt, dass das neue, intergrierte Steuersatzlager fast unsichtbar eingebaut werden kann. Die aufpolierten Verstärkungsringe sind ziemlich schick und der Headbadge hat echt Stil. Der Rahmen ist aufwändig und mehrfach lackiert, was ein gewisses Schimmern erzeugt. Sehr schön. Wie es sich gehört, hat Christoph das Bike als Singlespeed aufgebaut. Für mich ist der Rahmen (zum Glück) zu klein, wie man an der zu weit ausgezogenen Sattelstütze erkennen kann.

Wir plauderten noch etwas und ich bedankte mich für das Einstellen des Lagerspiels von letzem Samstag. Das hat gewirkt und das Hinterrad läuft nun perfekt. Zum Schluss tauschten wir noch den vorderen Schnellspanner am Kish. Das heisst, neu fahre ich keinen Schnellspanner mehr. Es ist nun nur noch eine Stahlachse, welche mit einem Imbusschlüssel verschraubt wird. Ein einfacher aber effektiver Diebstahlschutz.
Auf dem Heimweg machte ich einen Halt bei meinem Lieblings-Döner-Stand und genehmigte mir seit Monaten wieder einmal einen feinen Döner Kebab im Fladenbrot, mit alles, scharf! Das hat lecker geschmeckt und mich für die letzten Kilometer gut motiviert. Schön war's!