Donnerstag, 4. August 2011
(52) touristische Toskana
Der heutige Tag begann so gut wie der gestrige geendet hat, nämlich mit einem feinen Essen im Agriturismo. Weil es erst ab halb neun Uhr Frühstück gab, dauerte es etwas bis ich in den Sattel kam. Ah ja, noch was zum Agriturismo. Für alles, was ich seit meiner Ankunft gestern Abend konsumierte, inklusive Übernachtung, musste ich total nur 65 Euro bezahlen. Das war echt super und ehrlich gesagt hätte ich für dieses tolle Erlebnis ohne zu zucken auch mehr bezahlt.
Die heutige Strecke führte vom Start auf 350 Metern über Meer erst einmal runter auf etwa 60 Meter um kurz danach bis ins Ortszentrum von "Volterra" wieder auf 450 Meter über Meer anzusteigen. Heute war es zudem richtig warm um nicht zu sagen heiss. "Volterra" hat eine schöne Altstadt und wird von vielen Touristen angefahren.
Das ist aber noch gar nichts im Vergleich zu "San Gimignano" welches nach ein paar Hügeln, etwa 27 Kilometer später folgt. Auf den Anfahrtsstrassen sind 8 von 10 Autos ausländischer Herkunft und vor den grossen Parkplätzen staute sich um die Mittagszeit der Verkehr. Da hat man dann als Velofahrer die Vorteile auf seiner Seite, denn man kann direkt ins Zentrum des Geschehens vordringen. San Gimignano ist bekannt für die vielen hohen Türme, die im Mittelalter von verschiedenen Familien als Zeichen ihres Reichtums gebaut wurden.
Der Altstadtbereich ist vollständig verkehrsfrei und tausende Touristen bescheren den Läden gute Umsätze. Da ich Hunger hatte und noch kaum die Hälfte meiner heutigen Strecke gefahren war dachte ich, dass es eine gute Idee sei, nun etwas zu essen. Die Idee war auch gut, nur waren die Preise doppelt so hoh, wie ich es mir gewohnt war. Na ja, Davos ist auch teurer als Landquart...
Auch wenn ich diesen Touristenrummel nicht wirklich mag so muss ich doch sagen, dass San Gimignano wirklich sehr, sehr schön ist. Fast unwirklich schön. Ähnlich, wie ich letztes Jahr Venedig empfand. Man kriegt fast den Eindruck, als sei das alles nur für die Touristen gebaut worden und alle Shop- und Restaurantbetreiber seien Angestellte einer Freizeitpark-AG.
Als ich gegen halb zwei Uhr mittags losfuhr, war es dann richtig heiss und ich lernte die Toskana nocheinmal von der hügeligen Seite kennen. Es war ein stetes auf und ab, zwar nie mehr als etwa 200 Höhenmeter, doch mehrere solche Hügel hintereinander zerren doch ganz schön an den Beinen. Der Abstand zwischen meinen Coca-Cola-Pausen wurde immer kürzer und ich sehnte mir Florenz richtig herbei.
Zum Glück liegt Florenz nur etwa 20 Meter über Meer und so war ich froh, dass wenigstens die letzten zehn Kilometer ziemlich flach waren. Karin hatte mir gestern per Internet ein Zimmer reserviert und trotz hartnäckigem Suchen konnte ich das Hotel Bodoni nicht finden. Ich nutzte dann die modernen Kommunikationsmittel, rief Karin an, welche am PC den Stadtplan vor sich hatte und liess mich von ihr durch die Strassen navigieren. Velofahren und gleichzeitig telefonieren ist hier völlig normal und so kam ich mir schon fast etwas italienisch vor...
Das Hotel Bodoni ist ein klassisches Stadthotel. In einem grossen Stadthaus belegt es die obersten zwei Etagen, weshalb es von der Strasse her auch kaum ersichtlich ist. Ich habe da ein relativ kleines Zimmer, doch es soll ein grosses Frühstücksbuffet geben, dazu bietet es eine grosse Dachterrasse und WLAN-Internet auch im Zimmer. Für 45 Euro pro Nacht kann man durchaus nicht meckern. Mein Velo konnte ich auch in einen abschliessbaren Kellerraum stellen. Soweit ist also alles gut.
Der erlebnisreiche und heisse Tag, in Kombination mit den über 110 Kilometern hat mich müde gemacht. Zudem bin ich jetzt ja so quasi am Ziel. Fast einen Monat zu früh, doch ich bin wirklich bis nach Florenz gekommen. Nach 52 Tagen und 4´970 Kilometern. Ohne eine Panne, ohne grössere Probleme, es lief wirklich alles wie am Schnürchen. Doch war jetzt?
Ich fühlte mich nur noch leer. So leer wie das GPS, auf dem es nun keine Routen mehr gibt, die ich noch abfahren könnte oder müsste. Ich bin zwar da, doch weil Karin ja noch in der Schweiz ist, blieb die Freude des Wiedersehens aus. Ich war einfach nur müde...
Deshalb entschloss ich mich, das Hotel für zwei Nächte zu buchen. So kann ich mich morgen etwas erholen, etwas die Stadt ansehen und die Reststrecke bis nach Haus planen. Das GPS sagt: 112 km., 6:01 Std., 1´810 Hm.
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